Eine Weltreise zum Frühstück


Ina Brinks Buch Geliebte Fremde Welt (ja, "Fremde" gross geschrieben!) entführt mich heute auf grosse Reise in fremde Länder. Mit ihrer feinfühligen, ehrlichen Art und ihrer präzisen und treffenden Sprache hat Ina ihre Reise in die "Fremde Welt" so fesselnd beschrieben, dass meine Neugier schon nach dem ersten Satz geweckt ist und ich je länger ich lese UND schaue - denn das Buch ist ein Bildband, wie Ina betont, mit so wunderschönen Fotos, die erkennen lassen, dass Ina DEN Blick hat - werde ich berührt im Herzen und in der Seele, lebe und fühle mit.

Selten bin ich so schnell und so leicht in eine "Fremde Welt" eingetaucht wie mit Ina's Beschreibungen und tagebuchartigen Texten. Danke Ina, dass Du uns mitnimmst auf Deine Reise, auch auf Deine inneren Reisen, die mich sehr berühren und mir Mut machen meinen eigenen Weg zu gehen, sei es in die Welt hinaus oder in die inneren Welten hinein. Ich bin fasziniert von der Ausdruckskraft und der Herzensqualität dieses Buches!

Das Buch lag bei meiner guten und inspirierenden Naturhaarzauberin Rolanda Gasser von HaarCult Natura in Bregenz auf und ich wusste sofort, dieses Buch muss ich haben, denn mit seinem grosszügigen Umfang von mehreren hundert Seiten sprengt es den Rahmen eines Coiffeurbesuchs, meine Neugier war geweckt.

Rolanda vermittelte mir den Kontakt und es entwickelte sich daraus eine herzliche Bekanntschaft. Ich lernte Ina als wunderschöne, herzensgute, eigenwillige, ehrliche, inspirierte und seelenreife Frau kennen, eine interessante Gesprächspartnerin, eine ebenso begnadete Vorleserin ihrer Geschichten wie deren Schreiberin.

Ina Brink hat im Jahr 2013 in einer Lebenskrise beschlossen für

1 1/2 Jahre die Welt zu bereisen, ganz alleine, mit dem Rucksack, nicht durchgeplant und durchgetaktet, nur mit einigen festen Zielen, die man mit dem "Rund um die Welt" Ticket fixieren muss, oder wie sie es beschreibt:

Mit meiner Kamera, dem Rucksack und meinen Wanderstiefeln, mit einer kleinen Blume zum Anstecken und einem Säckchen voller Glücksbringer, mit ein paar Büchern und Musik, meiner Neugier und ein bisschen Tapferkeit, mit Abenteuerlust und Entdeckergeist, anfangs kurz geschoren und später mit langen Locken, mit meinem inneren Kompass und einem Lächeln im Herzen war ich neunzehn Monate unterwegs, und ich habe dabei einmal die Welt von Osten nach Westen vollständig umrundet.

Ina beschloss ihre vielen eindrücklichen Fotos und Tagebuchtexte in ein Buch zu fassen und uns alle an ihren Erlebnissen, Einsichten, Ideen, Bildern, und was mir besonders gefällt an Gerüchen, Bildern und Geschmäckern von fremden Speisen teilhaben zu lassen wie die Geschichte von der Ecuadorianerin mit ihrem speziellen Strassenstand:

Eine ausgefallene Komposition

Die Indigena ist gerade dabei, ihren himmelblauen Strassenstand, bestehend aus zwei kleinen Klapptischchen vor dem grossen Eingangstor des Friedhofs aufzubauen, als ich vorbeischlendere. Die frischen Mangos, einige davon schon in mundgerechte Scheiben geschnippelt, dann die vielen grünlichgelben Früchte, die aussehen wie kleine Murmeln, und die bereits geschälten dicken Orangen - zu einer Pyramide aufgestapelt - finden den Weg aus ihren Körben auf dem einen Tisch. Auf dem anderen füllt sie bereits unterteilte Abschnitte mit verschiedenen getrockneten Snacks auf. Daneben taucht ein grosser Haufen allerhand frischen Gemüses auf sowie ein Töpfchen mit einer roten Flüssigkeit nebst Löffeln, Schälchen und Servietten. Schliesslich spannt sie den genauso hommelblauen Sonnenschirm zum Schutz vor der Gluthitze auf, bevor das Strassengeschäft beginnen kann.

Ich bin plötzlich neugierig und mein Entdeckergeist meldet sich energisch, kurz innezuhalten und in Erfahrung zu bringen, wie all dies im Endeffekt zusammenfinden würde? Was ich mir rein vom Betrachten der Zutaten bisher gar nicht vorstellen kann, scheint - das Besteck verrät es - zu einer ausgefallenen Komposition zusammenzufinden. Schon im nächsten Augenblick wird mein Warten belohnt, und ich kann zuschauen, wie sie ihrem ersten Kunden ein kleines Schälchen aus den Ingredienzen des Gemüsetisches zusammenstellt. Obwohl mir die Mischung weiterhin wild und verrückt erscheint, fackle ich dennoch nicht lange: Ich will davon naschen.

So probiere ich zum ersten Mal Chochos aus, welches in manchen Landesteilen als Ceviche de Chochos oder Cevichochos bezeichnet wird, weil die Zubereitung an das berühmte peruanische Fischgericht angelehnt ist. Einmal gekostet, kann ich von nun an nicht mehr von diesem besonderen Strassenimbiss lassen: Gekochte weisse Lupini-Bohnen - auf Spanisch Chochos genannt -, geröstete Mais-Körner und Popcorn, Bananenchips, Tomatenscheiben, rote Zwiebelringe und frischer Koriander werden mit einem Schuss der leicht scharfen Tomaten-Chili-Sauce sowie ein paar Tropfen aus einem Schnitzer Limette verknüpft. Es ist eine - das würde ich fast behaupten - süchtig machende, irre Kombination aus leichten Knusperstücken und erquicklich Frischem.

Ihre präzisen und gut recherchierten Beschreibungen nicht nur kulinarischer Genüsse, sondern auch auch musikalischer, kultureller, handwerklicher, architektonischer, menschlicher, spiritueller Natur sind sehr spannend und lehrreich. Bräuche und Sitten, Geschichte und Hintergründe sind elegant in die Geschichten eingeflochten und ich konnte beim Lesen kaum warten zu erfahren, wie und wohin die Reise weitergeht.

Ihre grosse Liebe, die Tiere, tauchen auch immer wieder auf und sorgen für lustige, überraschende und nachdenkliche Momente auf ihrer Reise und in den Geschichten.

Die stimmigen Zitate, eingestreut im Buch, wie dieses von Johann Wolfgang von Goethe:

"Was immer du tun kannst oder träumst, es tun zu können, fang damit an! Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich."

bestätigt Inas Erfahrungen und macht uns Mut es ebenso zu tun!

Diese Reise hat mich vieles gelehrt: mir selbst wieder nah zu sein und mich anzunehmen wie ich bin; eine noch viel stärkere Achtsamkeit für alle Wunder dieser Erde zu hegen; weiterhin meiner Intuition zu vertrauen; mir stets meine koboldhafte Wissbegier, meine grenzenlose Begeisterungsfähigkeit sowie meine unvoreingenommene Offenheit gegenüber allem Fremden zu bewahren; die Spontanität wieder willkommen zu heissen; gelassener Dinge anzunehmen, die nicht zu ändern sind; die Erkenntnis, dass es keinen grossartigen Mut benötigt, sondern nur den ersten Schritt in die entsprechende Richtung und - mehr als je zuvor - dass es sehr wenig zum Glücklichsein braucht.

Dass Ina für ihr tolles Buch keinen Verlag gefunden hat ist mir unbegreiflich! Sie hat das Buch aber dann im Eigenverlag herausgegeben, liess eine kleine erste Auflage drucken, die schon ausverkauft ist, aber von der zweiten Auflage sind noch einige Exemplare erhältlich.

Das Buch kann bei Ina Brink bestellt werden zu 67.00 Euro plus jeweilige Portokosten oder abzuholen in Bregenz.

E-Mail Adresse: geliebte.fremde.welt@gmail.com

und ich kann nur sagen: es lohnt sich!

Das ist ein Buch, das ich immer mal wieder anschaue, aufschlage, ein bisschen drin lese und mich entführen lasse in die "Geliebte Fremde Welt". Es gibt Leute, die lesen jeden Tag eine Geschichte, andere lesen einander die Geschichten vor, als schönes Abendritual - oder als wertvolles Geschenk für Weltenbummler oder solche, die sich die "Geliebte Fremde Welt" lieber in die gemütliche Stube heim liefern lassen! ;-)

Text kursiv: Zitate aus Inas Buch

Fotos: Copyright Susanne@TEILET.com

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